Notgroschen: Wie viel Rücklage brauchst du wirklich?
Michael SchöllerTeilen
Der Notgroschen ist Geld, das du nicht anfasst, außer es brennt: Waschmaschine kaputt, Auto in der Werkstatt, Jobverlust, Zahnarzt. Er ist keine Geldanlage, sondern eine Versicherung, die du dir selbst gibst. Die Frage ist nur: Wie groß muss er sein?
Die Faustregel: drei bis sechs Nettogehälter
Gemeint ist das monatliche Nettoeinkommen ohne Sonderzahlungen. Bei 2.400 Euro netto liegt der Notgroschen also zwischen 7.200 und 14.400 Euro. Das klingt nach viel, ist aber als Ziel über zwei bis drei Jahre gut erreichbar, wenn jeden Monat ein fester Betrag abgezweigt wird.
Wann drei Monate reichen
- Unbefristeter Job in einer stabilen Branche, Anspruch auf Arbeitslosengeld
- Zwei Einkommen im Haushalt, die sich gegenseitig absichern
- Keine Kinder, kein Eigenheim, geringe Fixkosten
Wann sechs Monate oder mehr sinnvoll sind
- Selbständig oder freiberuflich mit schwankendem Einkommen
- Alleinverdiener mit Familie
- Eigenheim mit Kredit: Eine Heizung kann 10.000 Euro kosten, und die Rate läuft weiter
- Älteres Auto, das für den Arbeitsweg unverzichtbar ist
Was zählt zum Notgroschen und was nicht
Nur Geld, das innerhalb von Tagen verfügbar ist, ohne Verlust: Girokonto, Tagesgeld, Sparbuch ohne Bindung. Nicht dazu zählen Depot, Krypto, Bausparer in der Bindungsfrist oder Festgeld. Ein ETF kann genau dann im Minus stehen, wenn du das Geld brauchst. Deshalb ist es sinnvoll, im Haushaltsbuch zwischen „sofort verfügbar“, „kurzfristig gebunden“ und „marktabhängig“ zu unterscheiden.
Wo der Notgroschen liegen sollte
Auf einem eigenen Konto, nicht auf dem Girokonto. Was auf dem Alltagskonto liegt, wird ausgegeben. Ein Tagesgeldkonto mit Zinsen ist ideal: jederzeit verfügbar, aber nicht in der Bankomatkarte. Die Zinsen sind Nebensache, Verfügbarkeit ist der Zweck.
So baust du ihn auf
- Erstes Ziel: 1.000 Euro, egal wie. Das deckt die meisten kleinen Notfälle.
- Dann ein fester Dauerauftrag am Monatsersten, nicht am Monatsende. Was übrig bleibt, bleibt selten übrig.
- Sonderzahlungen zur Hälfte in den Notgroschen, bis das Ziel steht.
- Danach den Dauerauftrag ins Depot oder in die Sondertilgung umleiten.
Und wenn du ihn brauchst?
Dann ist das kein Rückschlag, sondern genau der Zweck. Wichtig ist nur, ihn danach wieder aufzufüllen, bevor andere Sparziele weiterlaufen.
Den Stand im Blick behalten
Die aussagekräftigste Darstellung ist nicht der Betrag, sondern die Zahl der Nettogehälter, die er abdeckt. Im Haushaltsbuch für Apple Numbers rechnet die Kennzahl „Notgroschen“ automatisch das sofort verfügbare Geld durch dein durchschnittliches Nettogehalt ohne 13. und 14. Gehalt. Bei 3,0 bist du im grünen Bereich.