Die 50/30/20-Regel einfach erklärt: So teilst du dein Nettoeinkommen auf
Michael SchöllerTeilen
Die 50/30/20-Regel ist die bekannteste Faustregel fürs Budget. Sie stammt von der US-Senatorin Elizabeth Warren und teilt das Nettoeinkommen in drei Töpfe. Der Reiz liegt in der Einfachheit: drei Zahlen statt dreissig Kategorien.
Die drei Töpfe
- 50 Prozent Bedürfnisse (Needs): alles, was du zum Leben brauchst und nicht kurzfristig kündigen kannst. Miete oder Kreditrate, Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Auto oder Öffis für den Arbeitsweg, Kinderbetreuung, Mindestraten für Kredite.
- 30 Prozent Wünsche (Wants): alles, was das Leben schöner macht: Restaurant, Urlaub, Hobbys, Streaming, Kleidung über das Nötige hinaus.
- 20 Prozent Sparen und Schuldenabbau: Notgroschen, Depot, Vorsorge, Sondertilgungen. Die normale Kreditrate zählt zu den Bedürfnissen, nur die freiwillige Zusatztilgung zählt hierher.
Ein Rechenbeispiel
Bei 2.400 Euro netto im Monat sind das 1.200 Euro für Bedürfnisse, 720 Euro für Wünsche und 480 Euro für Sparen. Wer nachrechnet, merkt schnell: Die 50 Prozent sind in Ballungsräumen kaum zu halten. Eine Wohnung um 900 Euro warm frisst allein 37 Prozent. Das ist kein Grund, die Regel wegzuwerfen, sondern der Hinweis, wo das Problem liegt.
Was die Regel in Österreich besonders macht
Das 13. und 14. Gehalt verzerren die Monatsrechnung. Wer Urlaubs- und Weihnachtsgeld in den Juni- und November-Einnahmen mitzählt, bekommt in diesen Monaten Traumquoten und in den anderen zehn Monaten ein schlechtes Gewissen. Sauberer ist es, die Regel auf das Grundgehalt anzuwenden und die Sonderzahlungen bewusst zu verplanen: zum Beispiel die Hälfte in den Notgroschen, die andere Hälfte für Urlaub oder Sondertilgung.
Typische Fehler beim Zuordnen
- Lebensmittel sind ein Bedürfnis, das Lieferservice-Abo ist ein Wunsch.
- Die Kreditrate fürs Eigenheim ist ein Bedürfnis, auch wenn ein Teil davon Vermögen aufbaut. Wer möchte, kann den Tilgungsanteil als Sparen zählen, sollte das aber konsequent und bewusst tun.
- Versicherungen gehören zu den Bedürfnissen, Zusatzversicherungen, die man auch kündigen könnte, eher zu den Wünschen.
Wenn die Zahlen nicht passen
Liegen die Bedürfnisse bei 65 Prozent, bleiben für Wünsche und Sparen nur 35 Prozent. Dann gibt es zwei Hebel: die großen Fixkosten (Wohnen, Auto, Versicherungen) über Monate hinweg senken oder die Sparquote vorübergehend auf 10 Prozent setzen, damit sie überhaupt existiert. Ein Sparplan mit 50 Euro, der läuft, ist besser als ein Plan mit 480 Euro, der nie startet.
So prüfst du die Regel jeden Monat
Du brauchst nur drei Summen: Bedürfnisse, Wünsche, Sparen, jeweils als Anteil des Nettoeinkommens. Im Haushaltsbuch für Apple Numbers ist jede Kategorie einem der drei Töpfe zugeordnet, und der 50/30/20-Check zeigt Ziel, Ist und Abweichung mit einer Bewertung. Die Zielwerte kannst du an deine Situation anpassen, etwa 60/20/20 in der Stadt.