Kreditblatt mit Tilgungsplan, Restschuld und Schuldenfrei-Datum

Wohnkostenquote und Schuldendienstquote: Wie viel Kredit kannst du dir leisten?

Michael Schöller

Ob ein Kredit tragbar ist, entscheidet nicht die Bank allein. Zwei Kennzahlen zeigen dir vorher, wie viel Luft dein Haushalt hat: die Wohnkostenquote und die Schuldendienstquote.

Die Wohnkostenquote

Wohnkostenquote = Wohnkosten ÷ Nettoeinkommen × 100

Zu den Wohnkosten zählen Miete oder Kreditrate, Betriebskosten, Strom, Heizung, Wasser, Haushaltsversicherung, Rücklagen für Reparaturen. Die klassische Empfehlung liegt bei maximal 30 Prozent, in Ballungsräumen gelten bis 40 Prozent noch als tragbar. Darüber wird jeder Monat eng, weil für alles andere nur mehr 60 Prozent bleiben.

Die Schuldendienstquote

Schuldendienstquote = alle Kreditraten ÷ Nettoeinkommen × 100

Hier zählen alle Raten zusammen: Wohnkredit, Autokredit, Konsumkredite, Ratenkäufe. Banken rechnen in Österreich seit der KIM-Verordnung mit einer Obergrenze von 40 Prozent des Nettoeinkommens, viele Berater empfehlen für den eigenen Haushalt maximal 30 bis 35 Prozent. Der Unterschied zur Wohnkostenquote: Energie und Betriebskosten fehlen, dafür sind alle Kredite dabei.

Warum beide Zahlen nötig sind

Eine niedrige Schuldendienstquote bei hohen Betriebskosten kann genauso drücken wie ein günstiges Haus mit teurem Autokredit. Erst beide Quoten zusammen zeigen, ob ein Haushalt über Jahre stabil bleibt, auch wenn die Zinsen steigen oder ein Einkommen wegfällt.

Die Zinsfrage beim Wohnkredit

Beim Wohnkredit steckt in der Rate ein Zinsanteil und ein Tilgungsanteil. Streng genommen sind nur die Zinsen Wohnkosten, die Tilgung ist Vermögensaufbau. Wer die volle Rate einrechnet, sieht die Belastung für die Liquidität. Wer nur die Zinsen einrechnet, sieht die echten Kosten des Wohnens. Beide Sichtweisen sind richtig, man sollte nur wissen, welche man gerade nutzt. Bei variablen Krediten lohnt es sich, die Quote mit einem um zwei Prozentpunkte höheren Zinssatz nachzurechnen.

Ein Beispiel

Haushalt mit 3.600 Euro netto, Kreditrate 950 Euro, Betriebskosten und Energie 300 Euro, Autokredit 220 Euro. Wohnkostenquote: 1.250 ÷ 3.600 = 34,7 Prozent. Schuldendienstquote: 1.170 ÷ 3.600 = 32,5 Prozent. Beide im oberen tragbaren Bereich. Steigt der variable Zinssatz um zwei Punkte, wächst die Rate um rund 150 Euro, und beide Quoten rutschen über 38 Prozent.

Vor dem Kredit: drei Fragen

  1. Bleibt die Schuldendienstquote unter 35 Prozent, auch wenn ein Einkommen für ein Jahr wegfällt?
  2. Ist nach der Rate noch eine Sparquote von mindestens 10 Prozent möglich?
  3. Steht ein Notgroschen von drei Nettogehältern, bevor die erste Rate fällig wird?

Laufend prüfen statt einmal rechnen

Die Quoten ändern sich mit jeder Gehaltserhöhung, jeder Zinsanpassung und jeder Sondertilgung. Im Haushaltsbuch für Apple Numbers rechnet das Kreditblatt den Tilgungsplan mit Sondertilgungen und Zinsänderungen, und die Zusammenfassung zeigt Wohnkosten- und Schuldendienstquote für den letzten abgeschlossenen Monat. Ob der Wohnkredit mit Zinsen oder voller Rate in die Wohnkostenquote eingeht, wählst du selbst.

Weiterlesen

Zurück zum Blog